Bekanntermaßen haben Sie sich für die Goldmedaille entschieden.
Auch wenn ich diese nicht gewonnen hätte, wäre meine Entscheidung, dafür zu kämpfen, meine persönliche Goldmedaille gewesen. Wir lernen durch beides, durch Siegen und Verlieren – entscheidend sind die Erkenntnisse auf dem Weg dorthin und was wir aus dem Gelernten machen. Sieg oder Niederlage liegen manchmal nicht in unserer Hand – die Entscheidung, daraus zu lernen, jedoch schon.
Was raten Sie Frauen, die sich nicht selbst vertrauen, wie sie diese Fähigkeit erlernen?
Heben Sie Ihre Hand wenn es um die Verteilung verantwortungsvoller Jobs geht! Im schlimmsten Fall scheitern Sie, aber das Leben geht weiter. An 350 Tagen im Jahr gewinnt man keine Goldmedaille. Das gilt für alle, auch für Männer! Wir Frauen müssen daher mehr über die kleinen Goldmedaillen sprechen. Für uns ist das ungleich schwerer, denn wir haben diese Fähigkeit häufig nicht gelernt, so dass Männer in diesem Punkt noch immer meistens im Vorteil sind.
Sich nicht trauen hat viel mit der Angst vor dem Versagen zu tun. Machen Sie sich bewusst, dass die meisten Risiken kalkulierbar sind. Im schlimmsten Fall läuft man eine Strafrunde, danach ist man wieder auf Kurs und kann trotzdem noch gewinnen, daher sollte man sich im Zweifel trauen. Sich selbst zu vertrauen kann man üben, zum Beispiel indem man sich in einem ‚geschützten Raum‘ Feedback einholt von Menschen, denen man vertraut und sich mit ihnen wohlfühlt – das kann in der Familie sein, im Freundeskreis, beim Sport oder im beruflichen Umfeld. Durch konstruktives Feedback gewinnt man mehr Sicherheit bei der Einschätzung seiner Fähigkeiten und dem Bedarf an Unterstützung. Im Übrigen hilft es immer, ein Ziel und einen Plan zu haben und diesen gut zu kommunizieren. Und ein ganz wichtiger Punkt: Suchen Sie Unterstützung bei einem Mentor oder Netzwerk-Partner, am besten jemand, der im Unternehmen gut vernetzt ist.