Wie verhält es sich mit der Inflation? Wird sie weiter steigen und damit die Notenbanken zu weiteren Zinsschritten veranlassen, oder haben wir den Höhepunkt schon erreicht?
Zunächst zur Inflation. Ich denke schon, dass die Inflation, wenn wir vom Lebenshaltungskostenindex in Deutschland reden, einen Höhepunkt – ich würde eher von einem Plateau sprechen – erreicht hat. Wenn wir zum Beispiel nach Osteuropa sehen, ist die Inflation noch einmal deutlich höher. Die Notenbanken müssen die Zinsen weiter anheben, und meiner Ansicht nach werden sie das auch. Vor allem die US-Notenbank FED hat deutlich gemacht, dass man dafür auch in den sauren Apfel der Rezession beißen muss. In Europa tut man sich schwer, eine notwendige Rezession in Kauf zu nehmen, um den Inflationsdruck zu brechen. Davon mag hier niemand sprechen.
Werden wir von der Europäischen Zentralbank (EZB) weitere Zinsschritte sehen?
Es ist weniger die Frage, ob es weitere Zinsschritte geben wird – davon gehen wir aus –, sondern ob es weitere über die bereits erwarteten Zinsschritte geben wird. Das ist die entscheidende Frage! Und ob sich das Wachstumstempo der Wirtschaft anpasst, hinreichend verlangsamt bzw. sogar eine Rezession vorherrscht, die den Inflationsdruck abmildern könnte.
Was bedeutet das für den Anleger?
Unter dem Strich ist es so, dass wir heute bei sicheren Bundesanleihen über längere Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren wieder Zinsen von um die zwei Prozent haben. Daran war lange Zeit überhaupt nicht zu denken. Das ist eine Normalisierung, auf die wir lange gewartet haben und die auf die lange Sicht positiv zu sehen ist. Für Anleger und Sparer sind positive Zinsen ein erfreuliches Signal, um auch am Rentenmarkt renditeträchtige Anlagemöglichkeiten zu haben.