Herr Amenda, rechnen Sie mit weiteren Zinserhöhungen der EZB?
Wir gehen fest davon aus, dass sie an ihrem Kurs festhalten muss. Schon allein das Signal, dies nicht zu tun, würde bedeuten, dass die Tarifparteien auf höhere Abschlüsse zusteuern und sich die Inflation weiter festsetzt, wenn nicht sogar verstärkt. Unternehmen würden dies auch in ihrer Kostenkalkulation und Preisgestaltung berücksichtigen – mit entsprechenden Folgen für die Inflation.
Mit Blick auf die Unternehmensseite und mögliche Zinsbelastungen: Muss die EZB etwas vorsichtiger agieren?
Die Unternehmen haben sich in der langen Niedrigzinsphase nach der Finanzkrise 2008/2009 an sehr niedrige Zinsen gewöhnt. Nicht alle Aktivitäten werden sich mit den jetzt höheren Zinsen profitabel weiter betreiben lassen. Manche Investitionsvorhaben werden aufgrund der höheren Zinsen nicht realisiert.
Wie reagieren Sie im Fondsmanagement auf diese Entwicklung?
Für uns im Portfoliomanagement ist es keine ungewöhnliche Situation, dass Änderungen im wirtschaftlichen Umfeld Anpassungsreaktionen erfordern und sich manche Unternehmen nur teilweise auf veränderte Bedingungen einstellen können. Auch die Digitalisierung, der Fachkräftemangel oder das sogenannte New Work verlangen einen proaktiven Umgang, um weiter erfolgreich zu bleiben. Wir beobachten das sehr genau und begleiten die Entwicklung eng.
Wie sieht diese „enge“ Begleitung aus?
Für jede relevante Branche haben wir spezialisierte Analysten. Für eine Anlage in aussichtsreichen Unternehmen beschäftigen sich unsere Experten im Credit Research eingehend mit der jeweiligen Bonität. Das ist sehr wichtig im Portfoliomanagement, um ermessen zu können, ob die am Markt bezahlten Risikoprämien auch eine hinreichende Kompensation für das eingegangene Risiko darstellen. Nur wenn dies der Fall ist, investieren wir.