Lokales Denken nicht pauschal anwendbar
Als Asset Manager der Munich Re Gruppe, die seit 2009 auf sechs Kontinenten und in zwölf Ländern in Forst investiert hat, wissen wir bei der MEAG, dass das Verständnis für die Rolle von Wäldern und deren Bewirtschaftung regional sehr unterschiedlich sein kann. Hierbei spielen kulturelle Aspekte eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie etwa ein Blick auf die unterschiedlichen Waldbewirtschaftungspraktiken in den USA und Kontinentaleuropa zeigt: In Europa wird Wald auf derselben Fläche gleichzeitig als Wirtschaftsgut, als Ort der Biodiversität und der Erholung angesehen. Das wäre in dieser Art und Weise in den USA nicht vorstellbar. Dort wird eher eine Fläche stillgelegt und eine andere dafür intensiv genutzt. Insofern ist es ein Trugschluss, unser Denken und unsere Wertevorstellungen eins zu eins auf dortige Verhältnisse übertragen zu wollen – oder allgemeiner gesprochen: Lokales Denken global anwenden zu wollen.
Globale Unterschiede lassen sich auch bei der Forstbewirtschaftung in Anbetracht des Klimawandels erkennen. Der Klimawandel setzt den Wäldern zu, keine Frage. Doch in diesem Zusammenhang zwangsläufig vom großen Waldsterben zu reden und dies monokausal auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen zurückzuführen, wie es in Deutschland verbreitet der Fall ist, greift zu kurz. Vielmehr haben wir es mit einem Ökosystem zu tun, das sich veränderten Gegebenheiten durchaus anpassen kann. Der Wald kann aus eigener Kraft zurückkommen – auch unter widrigsten Umständen. Dieser natürliche Prozess braucht jedoch viel Zeit, die wir vor dem Hintergrund der schnell voranschreitenden Veränderungen nicht haben. Daher sehen wir es als unsere Aufgaben an, die Wälder bei diesem Anpassungsprozess mit Wissen und notwendigen Investments bestmöglich zu unterstützen. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass es in manchen Regionen versäumt wurde, rechtzeitig klimastabilere Wälder aufzubauen. Hierzulande hängen wir zu stark am Modell überalterter, gleich alter Wälder. Sinnhafter wäre, das Risiko zu diversifizieren – zum Beispiel durch das Einbringen weiterer, besser an das Klima angepasste Baumarten. Das wurde in der Vergangenheit vernachlässigt.
Kulturelle Unterschiede ermöglichen Diversifizierung
Die genannten Beispiele zeigen, welche Rolle kulturelle Unterschiede und die damit verbundene Herangehensweise an die Forstbewirtschaftung spielen. Ein entsprechendes Verständnis ist für erfolgreiche Forstinvestments entscheidend. Kultur prägt unser Denken, Fühlen und Handeln – mit diesem Werteverständnis schauen wir uns Investments für die MEAG beispielsweise in den USA oder Neuseeland an und bemühen uns, die uns anvertrauten Wälder positiv weiterzuentwickeln.
Die regional unterschiedlichen Ansätze der Bewirtschaftung und sozialen Aspekte sind aus Investorensicht ein wesentlicher, positiver Aspekt der Diversifizierung. Denn Forst bietet dank weitestgehend unkorrelierter Renditen nicht nur als Anlageklasse insgesamt die Möglichkeit, die Risiko-Rendite-Profile von Gesamtportfolios zu optimieren. Auch innerhalb dieser Anlageklasse gibt es Möglichkeiten zur Diversifizierung, etwa nach Art und Alter der Bäume sowie der geografischen Lage und Marktsituation vor Ort – und eben auch nach dem Bewirtschaftungsansatz.
Um dieses Potenzial optimal zu nutzen, bedarf es eines entsprechenden Risikomanagements. Dieses sollte neben finanziellen und ökologischen Aspekten auch soziale Parameter umfassen. Um ein Beispiel zu geben: Das Arbeiten im Wald ist mit gefährlichen Tätigkeiten verbunden, daher sind hohe Standards im Bereich der Arbeitssicherheit nicht verhandelbar. Aber auch andere Faktoren wie die Freizeitnutzung des Waldes wirken sich auf die Arbeit im Forst aus. Das alles gilt es bei der Risikoanalyse und Bewirtschaftung neben ökonomischen und ökologischen Aspekten im Blick zu haben. Global agierende Manager, die über entsprechende Kenntnisse und Ressourcen verfügen, können echten Mehrwert bieten.
Fotos: Christoph Vohler Photographie GmbH