Losgelöst von den wechselnden Zinssenkungserwartungen haben zahlreiche Aktienindizes neue Allzeithochs erreicht. Wie nachhaltig ist das aktuelle Marktumfeld?
S&P 500 und Nasdaq laufen zu weiteren Allzeithochs dank einiger weniger Technologie-Schwergewichte. Die Marktbreite ist so dünn wie in der Finanzkrise von 2008 / 09. Kein guter Indikator für eine gesunde Börsenhausse hinsichtlich Stabilität.
Asset Manager müssen Einzeltitel richtig gewichten – vor allem bei Titeln, die stark oder überproportional im Vergleichsindex vertreten sind. Besitzen wenige Titel einen hohen Anteil am Index, sind die unsystematischen Risiken hoch und Verwerfungen wirken sich auf die Performance aus.
Wie offensiv sind Sie aktuell in der taktischen Asset-Allokation unterwegs? Welche Überlegungen spielen dabei eine Rolle?
Wir halten uns derzeit mit größeren taktischen Allokationen zurück und bevorzugen eher eine neutrale Positionierung. In der Sommerpause machen Sentiment und Positionierung die Märkte anfällig für Korrekturen. Das Marktumfeld bleibt weiterhin attraktiv. Der Rückenwind könnte etwas nachlassen – sowohl auf der Wachstums- als auf der Inflationsseite. Hier könnte ein zyklisches Inflationstief bevorstehen. Die hohe Korrelation von Aktien und Anleihen spricht dafür, dass die Inflation ein zentrales Thema bleibt.
Wo sehen Sie derzeit die Sweet Spots auf der Aktienseite? In welchen Bereichen Ihrer Aktienallokation unterscheiden Sie sich vom Konsens?
Wir haben seit Mitte Mai US-Aktien gegenüber europäischen Titel bevorzugt und so eine Outperformance erzielen können. Rational war ein weiterhin solides Makrobild in den USA, während wir für Europa ein eher schwächeres Bild gesehen haben. Die Neuwahlen in Frankreich haben zusätzlich belastet.
Die globale Divergenz von Wirtschaftsräumen bietet Opportunitäten auf regionalen Aktienmärkten. Relativ zu den USA und Europa sehen wir Chancen bei einzelnen Märkten in Asien und Lateinamerika.
Wie sieht Ihre Gewichtung auf Anleiheseite aus?
Wir halten bei Anleihen an unserer Strategie fest, von der attraktiven Verzinsung am vorderen Ende der Zinsstrukturkurve zu profitieren.
Anleihen mit kurzer Restlaufzeit haben ab einer gewissen Restlaufzeit einen Pull-to-Par-Effekt, d. h. der Kurs strebt dem Nennwert zu. Das macht Portfolios weniger volatil. Wir gehen etwas mehr ins Risiko, wenn bei Unternehmen die fundamentale Einschätzung vorliegt, dass sie zurückbezahlt werden können. Für Renditeaufschläge selektieren wir Unternehmensanleihen mit einer niedrigeren Ratingstufe oder wählen Anleihen im Nachrang.
Welche Diversifizierungsinstrumente außerhalb von Aktien und Anleihen halten Sie derzeit für besonders attraktiv?
Wir haben die strategische Allokation in der Anlageklasse „alternative Anlagen“ erhöht aufgrund der Erkenntnis, dass Korrelationen volatiler und brüchiger sind als lange Zeit angenommen. Sollte das Inflationsrisiko wieder zunehmen, könnten die fehlenden Diversifikationsmöglichkeiten durch eine höhere Allokation in liquide alternative Anlagen sinnvoll sein. Hier bevorzugen wir beispielsweise sogenannte Katastrophenanleihen (CAT-Bonds), bei denen im Tausch für die Bereitschaft, an wohldefinierten Naturrisiken teilzunehmen, eine höhere Rendite bezahlt wird.