Normalisierung einer positiven Übertreibung oder Auftakt zu einer drohenden Baisse?
Die fundamentalen ökonomischen Daten rechtfertigen eine solch scharfe Marktbewegung nicht. Wir gehen weiterhin von einem „Soft Landing“ aus, also einer konjunkturellen Beruhigung ohne größere Störungen. Gleichwohl führte die Auflösung von ausgeprägten Positionierungen vieler Marktteilnehmer zu Kursbewegungen, die dann zu weiteren Transaktionen motivierte. Das ist nicht ungewöhnlich.
Was führte auch in Europa und den USA zu diesem Rücksetzer bzw. dieser Serie an Tagesverlusten?
Da kam einiges zusammen. Enttäuschende Unternehmensmeldungen einzelner Index-Schwergewichte, aufkommende Konjunktursorgen und die Einschätzung, dass am Markt bestimmte Handelsstrategien nicht mehr das prognostizierte Ergebnis würden erzielen können.
Wer breit diversifiziert, ist gut aufgehoben und kann den Sommer genießen.
Um welche Handelsstrategien geht es hier?
Sogenannte Carry-Trades, typischerweise eine Kombination aus einer Verschuldung in einem Niedrigzinsumfeld und Anlage in einem höher verzinslichen Umfeld. Japan verzeichnet seit langer Zeit sehr niedrige Zinsen, die Verschuldung im Yen war daher attraktiv, aber nur solange der Yen gegenüber anderen Währungen nicht stark aufwertete. Das ist aber nun passiert – und damit haben Carry-Trades in der japanischen Währung an Anziehungskraft verloren.
Wie verhalten sich private Anleger in einer solchen Situation?
Wer sich an Grundregeln hält – breit zu diversifizieren und sein Investment entsprechend dem Anlagehorizont sowie der persönlichen Chance- / Risikoneigung auszusuchen –, der ist gut aufgehoben und kann unbesorgt den Sommer genießen. Hier hilft insbesondere das aktive Management, z. B. durch die Auswahl geeigneter Titel, die langfristig von den Megatrends, der Digitalisierung, KI und anderen Themen profitieren können. Mit zwischenzeitlichen Rücksetzern muss gerechnet werden, das hat sich auch hier mal wieder gezeigt. Langfristig allerdings dürfte der Pfeil nach oben gerichtet sein.