Wo stehen die Kapitalmärkte beim Thema „Zölle“?
Nach dem „Liberation Day“ – dem Tag der Marktberuhigung – sahen wir ein bemerkenswertes Umdenken. Die Märkte gingen überraschend schnell wieder ins Risiko, obwohl sie zuvor deutlich korrigiert hatten.
Das Ergebnis: Geopolitische Risiken werden heute deutlich gelassener bewertet. Die Wachstumsaussichten in allen großen Regionen werden positiver gesehen – gestützt durch robustere Wirtschaftsdaten, das US-Investitionspaket „Big Beautiful Bill“ sowie die fiskalische Unterstützung in Deutschland. Diese Faktoren treiben die Aktienmärkte auf neue Allzeithochs.
Ist mit einer weiteren Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten zu rechnen?
Absolut. Wir sehen eine positive Grundstimmung für Aktien, unterstützt durch niedrigere Inflation als erwartet und eine US-Geldpolitik, die stärker in Richtung Zinssenkungen tendiert.
Aber kurzfristig bleiben wir vorsichtig. Hohe Bewertungen und gemischte Konjunktursignale für das zweite Halbjahr lassen uns vorsichtig optimistisch bleiben – die Risiken könnten wieder höher als die Chancen werden.
Wir sehen einem vergleichsweise entspannten Sommer entgegen.
Welche Faktoren könnten den Aktienmärkten stärkeren Rückenwind geben?
Bei Marktrücksetzern sehen wir klare Chancen für Positionsaufbau. Vier Wachstumstreiber sprechen für weiteren Kursauftrieb:
- KI-Revolution: Der Trend setzt sich fort und schafft neue Geschäftsmodelle.
- Investitions-Superzyklus: Das US-Investitionspaket wirkt als langfristiger Motor.
- Europäische Unterstützung: Fiskalische Maßnahmen stützen die Konjunktur.
- Chinesische Widerstandsfähigkeit: Die Wirtschaft zeigt sich robust.
Und wo sehen Sie Risiken?
Die Hauptrisiken liegen bei schwächeren Konjunkturdaten und steigender Inflation. Der Konjunkturzyklus könnte in der zweiten Jahreshälfte Gegenwind erhalten – auch durch Zollthemen. Im Extremfall droht ein stagflationäres Umfeld, also eine Kombination aus Inflation und Stagnation.
Was bedeutet das für den Anleger?
In den vergangenen Wochen hat eine Beruhigung an den Kapitalmärkten eingesetzt, die angesichts der politischen Großwetterlage fast schon etwas übertrieben positiv erscheint. Das Überraschungspotenzial der kriegerischen Konflikte hat nachgelassen und auch an die Volten der US-Administration haben sich die Märkte gewöhnt.
Unser Fazit: Wir sehen einem vergleichsweise entspannten Sommer entgegen. Gleichzeitig bleiben wir wachsam, behalten Risiken im Blick und haben immer ein offenes Auge für neue Chancen.