Trotz der sich verschlechternden wirtschaftlichen Aussichten bleibt unsere Risikoneigung neutral. Die Zentralbanken stehen vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Finanzstabilität und Preisstabilität herzustellen, wobei die Kerninflation ein entscheidender Faktor ist. Obwohl die Wirtschaftsdaten aufgrund der Entspannung im Energiesektor und der Wiedereröffnung Chinas kurzfristig leicht positiv waren, wirken sich Inflationsdruck, knappe Bankkredite und hohe Energiepreise weiterhin negativ auf die Wirtschaft aus. Die Bankenkrise hat die Einschätzung des Wirtschafts- und Kapitalmarktumfelds verkompliziert. Wir sind der Ansicht, dass sich der Zinserhöhungszyklus aufgrund der Verschärfung der Kreditvergabebedingungen dem Ende nähern könnte.
Die Marktteilnehmer setzen aber zu sehr auf mögliche Zinssenkungen in diesem Jahr, die sich nicht realisieren könnten. Die Preisstabilität hat für die Zentralbanken weiterhin oberste Priorität und könnte eine vorzeitige Lockerung der Geldpolitik verhindern. Die geopolitischen Risiken haben in Europa aufgrund der Ukraine , der Spannungen im Nahen Osten, der Sanktionen gegen Russland und des sich verschlechternden Verhältnisses zu China zugenommen. Wir bleiben deshalb nach wie vor vorsichtig, die Aussichten für risikoreiche Anlagen könnten sich verschlechtern. Die Kapitalmärkte könnten vor strukturellen Herausforderungen stehen. Die Dynamik der Gewinnrevisionen nach den Quartalsberichten dürfte für die nächsten Monate entscheidend sein.
So lesen Sie die Tabelle richtig
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weniger
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Einschätzung |
Kommentar |
| Aktien |
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Unsere aktuelle Einschätzung zu den Aktienmärkten ist kurzfristig vorsichtig negativ, da sich die fundamentalen Daten aufgrund eines sich verlangsamenden Konsums und höherer Rezessionswahrscheinlichkeiten inkrementell abgeschwächt haben. Die höheren Zinsen haben letztendlich zu einem sequenziellen Rückgang der Konsumausgaben im März geführt, der sich weiter fortsetzen könnte. Die Gewinnerwartungen für das erste Quartal bewegen sich auf niedrigem Niveau und es besteht aus unserer Sicht nur begrenztes Potenzial für größere Revisionen der Gewinnprognosen. Aus technischer Sicht ist die Stimmung schwach, was die Aktienmärkte eigentlich unterstützen sollte, aber die Stimmung ist nicht im extrem negativen Bereich. Der Risikoappetit der Marktteilnehmer ist niedrig, was ebenfalls unterstützend für die Aktienmärkte während der kommenden Ergebnissaison sein könnte. Die Wachstumssorgen könnten für den Rest des Jahres eine Herausforderung bleiben und die Erträge sollten voraussichtlich im ersten Halbjahr ihr Maximum erreichen. Die Fundamentaldaten bergen einige Risiken und die Wirtschaftstätigkeit in den USA und Europa hat sich im März nach einem starken Jahresbeginn verlangsamt. US-Aktien könnten aus unserer Sicht auf aktuellen Niveaus überbewertet sein, während europäische Aktien aus dieser Perspektive weniger Risiken bergen sollten.
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| Renten |
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Unsere Einschätzung der europäischen und der amerikanischen Rentenmärkte bleibt negativ. Für die USA und die Eurozone könnten Inflation, strengere Kreditbedingungen und divergierende Reaktionen der Zentralbanken auf wirtschaftliche Daten Herausforderungen darstellen. Während die US-Wirtschaft
bisher Rezessionsrisiken trotzt, verschlechtern sich die harten Wirtschaftsdaten zusehends. Auf der anderen Seite könnte das Ende des aktuellen Zinserhöhungzyklus nahe sein. Gleichzeitig erlebt die Eurozone eine Beschleunigung der Kerninflation und zeigte sich unbeeindruckt, was die kürzliche Bankenkrise in den USA angeht. Die negativen Risiken bleiben aus unserer Sicht bestehen. Das Wachstum hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen, die harten Wirtschaftsdaten dürften sich jedoch im zweiten Quartal wieder eintrüben. Es besteht Sorge über möglicherweise strengere Kreditbedingungen, die die Zentralbanken dazu bringen könnten, das Tempo der Zinserhöhungen zu verringern. Im Kontrast zu den allgemeinen Rentenmärkten ist der Ausblick für EUR-Unternehmensanleihen für die nächsten 1–3 Monate positiv, wobei der Fokus auf den Unternehmensergebnissen liegt. Strengere Kreditbedingungen und eine mögliche wirtschaftliche Verlangsamung könnten den Rückgang der Risikoprämien jedoch einschränken. Die Gesundheit der Unternehmen hat im ersten Quartal gelitten, wobei Druck auf Umsatz und Margen zu verzeichnen ist. Trotz dieser Bedenken bleiben die Risikoprämien über historischen Langzeitniveaus, der jüngste Anstieg der Risikoprämien aufgrund der Bankenkrise verbessert die Bewertungen, und die allgemeinen Renditen sind attraktiv. Risiken für diese positive Einschätzung sind ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld, schlechtere Unternehmensergebnisse, zu restriktive Zentralbanken, weiterhin volatilere Zinssätze sowie geopolitische Spannungen.
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| Rohstoffe |
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Gegenüber Rohstoffen sind wir nach wie vor neutral eingestellt, da die kürzliche hohe Volatilität zur Vorsicht mahnt.
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| Liquidität |
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Angesichts der attraktiven Renditen, insbesondere für kurze Laufzeiten von Emittenten hoher Qualität an den EUAnleihemärkten, schätzen wir Liquidität relativ dazu neutral ein. |